Schon an dieser Stelle wird klar: Nachttische spielen in unserer 125-jährigen Firmengeschichte von Anfang an eine wichtige Rolle. Und doch sind sie immer wieder jung und neu. Als unsere innovative Pflegeheim-Nachttischserie Aparto auf den Markt kam, lautete das Motto „Aparto – Nachttische neu definiert“. Ein zutreffender Slogan, der aber dennoch die Fragen aufwirft: Wie und wann wurde der Nachttisch zuvor definiert?
Antworten auf diese Fragen sind nicht leicht zu finden. Eine oberflächliche Internetsuche zum Thema „medizinische Nachttische“ führt zu nichts. Künstliche Intelligenz findet per tiefer Recherche einige Grundzüge der Entwicklung. Die wertvollsten Informationen liefert aber unser Stiegelmeyer-Archiv selbst. Sie zeigen, dass Stiegelmeyer beim Thema Nachttische immer auf der Höhe der Zeit war. Wenn der Nachttisch „definiert“ wurde, waren wir mit von der Partie.
Die Geschichte der medizinischen Nachttische beginnt im Krankenhaus, nicht im Pflegeheim, denn Pflegemöbel als eigene Produktkategorie kamen erst gegen Ende der 1960er-Jahre auf. Eigens gefertigte Krankenhausnachttische gibt es hingegen bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, als der Wunsch nach einer modernen, standardisierten und hygienischen Versorgung der Patienten wuchs. Die Stiegelmeyer-Nachttische von 1910 repräsentieren diese erste Generation. Und sie weisen bereits einige Merkmale auf, die sich bis heute nicht geändert haben: etwa einen individuell wählbaren Dreiklang aus Schubladen, offenen und geschlossenen Fächern sowie glatte, leicht zu reinigende Metalloberflächen.
In einem anderen Punkt bleiben die Nachttische jedoch noch jahrzehntelang hinter der Entwicklung der Betten zurück: Sie sind nicht fahrbar. Während sich viele Stiegelmeyer-Betten bereits zwischen 1900 und 1910 auf kleinen Rädern schieben lassen, stehen die Nachtische fest auf ihren Metallbeinen. Daran ändert sich lange nichts. Das Nachttisch-Angebot von Stiegelmeyer rings um die Bestellnummer 289 bleibt während der 1910er- und 20er-Jahre unverändert. Im Katalog von 1931 gibt es zusätzlich eine Neuerung, die in die Zukunft weist: Erstmals werden für Privatkunden auch wohnliche Holz-Nachttische angeboten. Zum Beispiel die Nummer 332: „Holz-Nachttisch mit Glasplatte, zwei Schubladen mit kleinem offenem Fach auf gleicher Höhe sowie einem geschlossenen Fach“.
Das Ende der nicht-rollenden Nachttische dämmert erstmals in unserem gedruckten Gesamtkatalog von 1937. Nach dem großen Erfolg eines neuen Stiegelmeyer-Bettes für die Berliner Charité 1935 war in Herford endlich eine hauptamtliche „Krankenmöbel-Abteilung“ eingerichtet worden, und das Portfolio explodierte vor Modernität. Zwar stehen die Nachttische noch immer fest auf ihren Beinen, dafür rollt aber etwas Ähnliches: Server, damals wie heute in unseren Katalogen „Bett-Tische“ genannt.
Ihr Zweck ist es, den Patienten im Bett Essen und Medikamente zu verabreichen oder eine Lese-Unterlage zu bieten. Der „Normen-Bett-Tisch“ Nr. 6490 kann 1937 bereits alles: Er ist fahrbar, höhenverstellbar, schwenkbar und hat sogar eine zweigeteilte Tischplatte, bei der sich ein Teil als Lesepunkt schrägstellen und der andere als Getränke-Tablett in der Waagerechten halten lässt. Die Diskrepanz zwischen den fortschrittlichen Servern und den altmodischen Nachttischen lässt sich vielleicht damit erklären, dass die Patienten damals noch nicht so viele Dinge mitbrachten, für die sie einen aufwändigen Lagerort gebraucht hätten.
In den 1950er-Jahren begannen die Stiegelmeyer-Nachttische dann endlich komplett zu rollen, und nicht nur das. Im Katalog von 1955 findet plötzlich die Revolution statt: „Nr. 6181 – Nachttisch, mit verstellbarem Bett-Tisch kombiniert, Kasten aus Stahlblech, Stahlrohrbeine an der Rückfront zu Auslegern geformt, vier Rollen, Seiten- und Rückfront geschlossen, beidseitig verwendbar.“ In der Variante 6181A gab es statt der geschlossenen Rückfront sogar beidseitig ausziehbare Schubladen.
Vor 70 Jahren war also die übliche Funktionalität heutiger Nachttische bereits weitgehend verfügbar. Die Fahrbarkeit brachte viele Vorteile: größere Flexibilität bei der Aufteilung der Zimmer, Mittransport bei Patientenverlegungen, leichtere Bodenreinigung. Alledings lassen die vielen Varianten im Katalog vermuten, dass die Krankenhäuser auch preiswertere Lösungen einsetzten. Man konnte z. B. abgespeckte Versionen mit zwei Rollen und zwei Beinen bestellen. Ein solcher Nachttisch ist in unserer Ausstellung ebenfalls zu sehen: Um ihn zu schieben, muss man ihn wie eine Schubkarre an der Seite mit den Beinen anheben.
Der nächste erhaltene Katalog stammt aus dem Jahr 1968 und markiert einen wichtigen Wendepunkt für Stiegelmeyer. In den frühen 60er-Jahren hatte es so ausgesehen, als könnte sich die Ausrichtung des Unternehmens in Richtung Privatkunden drehen. Massentaugliche Raumspar- und Gartenmöbel, die in Kaufhäusern angeboten wurden, bescherten der Firma große Umsätze. Doch letztlich erwies sich dieser Erfolg als kurzlebiger Trend der Wirtschaftswunderzeit. Gegen Ende des Jahrzehnts traf die Geschäftsführung die kluge Entscheidung, die Raumsparmöbel einzustellen und das Know-how in den Bereichen Holz und Wohnlichkeit in die neue Sparte Pflegeheim zu stecken.
Der Katalog von 1968 zeigt diesen Neustart noch in aller Bescheidenheit. Nur ein einziges Nachttischmodell ist aufgelistet: „Nr. 5021 – Nachttisch, geschlossener Holzkasten mit Schublade und Tür“. 15 Jahre später, zu Beginn der 1980er-Jahre, sind es bereits 13 Pflegeheim-Nachttische. Noch immer tragen sie Nummern statt Namen, doch erkennt man in ihnen bereits die direkten Vorläufer unserer namentlichen Nachttische nach der Jahrtausendwende. Aufgeteilt sind die 80er-Jahre-Nachttische in zwei Gruppen: Sie haben entweder höhenverstellbare oder lediglich hoch- und runterklappbare Bett-Tische. Im Pflegeheimbereich ist die Klapp-Familie heute noch mit dem Modell Cosano präsent, bei Burmeier in der häuslichen Pflege gibt es den Klapp-Klassiker Hermann.
Die Mechanik der Bett-Tische führt zur Ausgangsfrage der Geschichte zurück: Was definiert einen guten Nachttisch und wie sieht eine zeitgemäße Lösung aus? Prinzipiell funktionieren höhenverstellbare Bett-Tische seit vielen Jahrzehnten wie folgt: Sie sind seitlich am Korpus befestigt, entweder in Metallschienen (wie bereits beim Modell von 1955), an einer ausziehbaren Säule oder an einem ausziehbaren Schwenkarm. Die Tischplatte ist bei Nichtgebrauch heruntergeklappt. Um sie zu nutzen, muss man die gewünschte Höhe einstellen und die Platte hochklappen. Einige Modelle lassen sich zudem als Lesepult schrägstellen oder an die andere Seite des Korpus ummontieren, wenn der Nachttisch auf der anderen Bettseite aufgestellt werden soll.
Mit dem Nachttisch Aparto gehen wir neue Wege. Seine besondere Stärke ist der enge Bezug zu den Menschen, die wirklich mit ihm arbeiten. Erfahrungen und Wünsche von Pflegekräften sind in seine Entwicklung eingeflossen und haben viele Details geprägt. Der Aparto revolutioniert die Technik des verstellbaren Bett-Tisches. Leichter als je zuvor können nun auch Bewohner im Bett die waagerecht ausziehbare Tischplatte bedienen, die nicht mehr hoch- und heruntergeklappt werden muss. Die Höhenverstellung kostet fast keine Kraft mehr. Das bedeutet mehr Entlastung für Pflegekräfte und mehr Selbstbestimmtheit für pflegebedürftige Menschen. Zusätzlich löst der drehbare Korpus so elegant wie nie das Problem der Aufstellung auf beiden Bettseiten. Er stellt sicher, dass der Aparto sekundenschnell überall eingesetzt werden kann, ohne dass der Bett-Tisch von der Haustechnik ummontiert werden muss.
Auch im Krankenhausbereich sind Nachttische wieder zu einem Motor der Innovation geworden. Dort setzt der schlanke Quado die große Tradition unserer modernen Server fort. Er ist Nachttisch, Server und auf Wunsch auch Stationswagen in einem. Und er löst überzeugend eine Herausforderung, an der unsere Entwickler bereits seit den 1970er-Jahren gearbeitet hatten: Man kann ihn an das Bettenhaupt hängen und einfach mit dem Bett mitschieben. Vor 50 Jahren musste man für diesen gemeinsamen Transport den Rahmen des Krankenhausbettes wie ein Zaun-Tor öffnen, das Fußteil hochklappen und den Nachtisch in den Bettrahmen schieben. Dieses Verfahren hat sich ebenso wenig durchgesetzt wie die grasgrüne Farbe der damaligen Nachttische.

In der Ära des Smartphones stellen Patienten neue Anforderungen, vor allem im Wahlleistungsbereich. Unser elektrischer Nachttisch Vitano bietet moderne Lade- und Anschlussmöglichkeiten direkt am Krankenhausbett.
Wie wird die über 100-jährige Geschichte der Nachttische weitergehen? Die Stiegelmeyer-Gruppe positioniert sich als Lösungsanbieter für eine intersektorale Versorgung der Menschen über ihren gesamten Lebenszyklus. Vielleicht werden dabei auch die Produktgrenzen zwischen den Sparten Krankenhaus, Pflegeheim und Homecare wieder fließender. Jeder soll von möglichst vielen Vorteilen profitieren können. Eines ist sicher: Wer auch immer vor dem Schlafen einen sicheren Platz für sein Buch, sein Glas, sein Handy oder das Foto seiner Liebsten sucht: Bei uns wird er ihn finden.









